Nahrungsergänzungsmittel
Brauchen wir sie wirklich?
In den letzten Jahren haben Nahrungsergänzungsmittel einen regelrechten Boom erlebt. Ob zur Unterstützung der Sehkraft, zur Steigerung der Fitness oder einfach aus Vorsicht – viele Menschen greifen regelmäßig zu Tabletten, Pulvern und Kapseln. Etwa zwei Drittel der Erwachsenen nehmen Nahrungsergänzungsmittel zu sich, davon etwa ein Drittel mehrmals pro Woche*. Nahrungsergänzungsmittel haben sich zu einem Milliardenmarkt entwickelt und werden mittlerweile als unverzichtbar betrachtet. Doch ist der Verzehr dieser Produkte wirklich notwendig?
Wer braucht Nahrungsergänzungsmittel?
Für viele Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit, Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen – sei es aus Sorge, nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt zu sein oder in der Hoffnung, die eigene Gesundheit zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen. Oftmals erfolgt die Entscheidung über die Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln ohne fachkundigen Rat. Was viele nicht wissen: Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, die in kleinen Dosierungen oft isolierte zugesetzte Stoffe wie Vitamine und Mineralstoffe in konzentrierter Form enthalten. Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen sie kein Zulassungsverfahren durchlaufen. Lediglich eine Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist erforderlich. Die Hersteller sind allein für die Sicherheit und Qualität der Produkte verantwortlich, während die zuständigen Lebensmittelbehörden die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben überwachen.
Trotz der weit verbreiteten Werbung, dass Nahrungsergänzungsmittel eine gesunde Ernährung unterstützen oder besondere Wirkungen entfalten können, sieht die Realität häufig anders aus. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das die Bundesregierung zur Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln berät, sowie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist für die meisten gesunden Menschen eine ausgewogene Ernährung vollkommen ausreichend, um den Bedarf aller essenziellen Nährstoffe zu decken. Eine Ausnahme stellt jedoch Vitamin D dar, das bei ausreichender Sonnenbestrahlung auf die Haut vom Körper selbst gebildet wird. In den meisten Fällen sind Nahrungsergänzungsmittel daher überflüssig und könnten bei einer langfristigen Einnahme sogar überdosiert schädlich sein.
Die Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln
Ein wichtiger Punkt: Nahrungsergänzungsmittel sind keine „Wundermittel“. Sie können eine ungesunde oder einseitige Ernährung nicht ausgleichen. Im Gegenteil: Eine übermäßige Zufuhr bestimmter Einzelnährstoffe kann sogar schädlich sein – etwa durch Überversorgung oder Wechselwirkungen mit Medikamenten. Etwa 10 % der Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln berichten von unerwünschten Nebenwirkungen.
Es gibt jedoch Ausnahmen. In bestimmten Fällen, wie etwa bei einem nachgewiesenen Nährstoffmangel oder für Risikogruppen wie Schwangeren oder Veganer:innen, können ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel ggf. sinnvoll sein. So wird Veganer:innen empfohlen, Vitamin B12 zu supplementieren. Auch Schwangeren wird empfohlen auf eine ausreichende Zufuhr von Folsäure zu achten, um gesundheitliche Risiken für das Kind zu vermeiden, die zeitweise auch aus Nahrungsergänzungsmitteln kommen kann. In solchen Fällen wird jedoch empfohlen, vorher ärztlichen oder ernährungsfachlichen Rat einzuholen.
Die Macht der Influencer – Werbung und Fehlinformationen
Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln ist die Werbung, die oftmals über soziale Medien und Influencer:innen verbreitet wird. Viele Influencer:innen genießen große Glaubwürdigkeit bei ihren Follower:innen und werden von Unternehmen für die Bewerbung von Nahrungsergänzungsmitteln engagiert. Besonders häufig beworben werden Proteine, Magnesium, sowie die Vitamine C, B6 und D3. Dabei wird oft vermittelt, dass die Produkte Wunder wirken, etwa gegen Müdigkeit, Stress, Hunger, Übergewicht, Haarausfall oder Schlafprobleme. Doch was die Werbung verschweigt: Viele dieser gesundheitsbezogenen Aussagen, sogenannte Health Claims, sind in der EU nicht erlaubt. Teilweise werden sogar Heilungsversprechen gemacht, die für Lebensmittel gänzlich verboten sind. Auch wird oft verschwiegen, dass die Stoffe, die besondere Wirkungen haben sollen, zugesetzt wurden.
Laut einem Bericht der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch** enthalten rund ein Drittel der Instagram-Stories zu Nahrungsergänzungsmitteln unzulässige gesundheitsbezogene Aussagen. Alternative: Ein Beispiel dafür sind Influencer, die Kreatin Pulver mit der Behauptung bewarben, es steigere die Gedächtnisleistung, senke den Cortisolspiegel sowie Stress und sorge für ein strafferen Look. Solche verbotenen Aussagen können bei den Follower:innen ein verzerrtes Gesundheitsbild hervorrufen und zu Verunsicherung führen. Leider gibt es bislang keine wirksame Kontrolle durch die Behörden, da diese mit der Überprüfung der Werbung auf sozialen Medien überfordert sind.
Sekundäre Pflanzenstoffe – Warum natürliche Lebensmittel besser sind
Natürliche Lebensmittel bieten eine Vielzahl von gesundheitsfördernden Substanzen, die in Nahrungsergänzungsmitteln oft fehlen. Ein besonders wichtiger Bestandteil sind sekundäre Pflanzenstoffe. Diese Stoffe, die Pflanzen ihre Farbe verleihen und als Abwehrstoffe gegen Fressfeine und als Wachstumsregulatoren dienen, können sich positiv auf Stoffwechselprozesse im Körper auswirken. Zu den bekanntesten gehören Polyphenole, Carotinoide, Phytoöstrogene und Glucosinolate. Auch viele Bitterstoffe zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen, die in Lebensmitteln für den bitteren Geschmack sorgen.
Obwohl sie keine essenziellen Nährstoffe sind, haben sekundäre Pflanzenstoffe u. a. antioxidative, entzündungshemmende und sogar antikanzerogene Eigenschaften. Diese Stoffe sind ein Ergebnis der natürlichen Biodiversität von Pflanzen. Etwa 5.000 bis 10.000 dieser Stoffe kommen in pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten vor.
Im Gegensatz zu isolierten Nährstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln ist es bei natürlichen Lebensmitteln die komplexe Zusammensetzung verschiedener Stoffe, die sie gesundheitlich wertvoll macht. Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)*** sekundäre Pflanzenstoffe über natürliche Lebensmittel zu verzehren und isolierte sekundäre Pflanzenstoffe zu meiden. Für die Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe könnte es entscheidend sein, dass sie im Verbund der Pflanze wirken. Hingegen könnten isolierte sekundäre Pflanzenstoffe sogar schädlich sein, wenn sie in hohen Dosen eingenommen werden.
Natürliche Lebensmittel für jeden Tag
Natürliche pflanzliche Lebensmittel sind eine entscheidende Quelle für eine Vielzahl wichtiger Nährstoffe, die unseren Körper täglich in seinen natürlichen Abläufen und bei seiner Regeneration unterstützen. Anstelle isolierter Nahrungsergänzungsmittel liefern uns Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse neben Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen. Die Vielfalt aus über 100 pflanzlichen Zutaten steckt in unserer P. Jentschura WurzelKraft. Das Granulat enthält über 100 pflanzliche Zutaten wie Früchte, Nüsse, Samen, Kräuter, Gemüse sowie Blütenpollen.
In unserer Jentschura Akademie lernen Sie, wie Sie natürliche, pflanzliche Lebensmittel ganz einfach in Ihren Alltag integrieren. In unseren Kochkursen Basisch kochen und Mein Basen-Buffet oder den von Krankenkassen bezuschussten Seminaren JobFood und Präventives Ernährungstraining zeigen wir Ihnen, wie Sie gesunde und alltagstaugliche Gerichte zubereiten.
Fazit: Eine ausgewogene Ernährung ist der Schlüssel
Für unsere Gesundheit ist nicht ein einziges Nahrungsergänzungsmittel verantwortlich, sondern eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkorngetreide. Beispielsweise in der Form der mediterranen Ernährung/Esskultur, die mit einer besonderen Langlebigkeit (Longevity) in Verbindung steht. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur in Sonderfällen und nach fachkundiger Beratung eingenommen werden. Eine abwechslungsreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung sind der Schlüssel zur Gesundheit.
- *Bundesgesundheitsblatt Ausgabe 11/25 Artikel 3: https://link.springer.com/articl...
- **Foodwatch: https://www.foodwatch.org/de/neuer-report-influencerinnen...
- ***DGE https://www.dge.de/wissenschaft/fachinformationen/sekundaere-pfl...